Ergebnisse - QSInova

Das Projekt QSInova der zukunft im zentrum GmbH trägt seit 2010 zur Steigerung der Teilnahme erwachsener Menschen mit Migrationshintergrund (im Folgenden zur einfacheren Lesbarkeit als Migrant/innen bezeichnet) an Angeboten der Aus- und Weiterbildung und damit zu ihrer besseren Integration in Arbeit und Gesellschaft bei. Bislang sind zwei Studien entstanden, in denen die Bedarfe der Zielgruppe ermittelt und mit den Zielen des Projekts und der institutionellen Beteiligten abgeglichen, und verschiedene Projekte im Bereich der Qualifizierung Geringqualifizierter mit Migrationshintergrund verglichen wurden. Im Anschluss an diese und weitere nutzbare Ergebnisse werden Erfahrungen, Erkenntnisse und Herausforderungen des Projekts zusammengestellt.

Das Projekt QSInova der zukunft im zentrum GmbH trägt seit 2010 zur Steigerung der Teilnahme erwachsener Menschen mit Migrationshintergrund (im Folgenden zur einfacheren Lesbarkeit als Migrant/innen bezeichnet) an Angeboten der Aus- und Weiterbildung und damit zu ihrer besseren Integration in Arbeit und Gesellschaft bei. Bislang sind zwei Studien entstanden, in denen die Bedarfe der Zielgruppe ermittelt und mit den Zielen des Projekts und der institutionellen Beteiligten abgeglichen, und verschiedene Projekte im Bereich der Qualifizierung Geringqualifizierter mit Migrationshintergrund verglichen wurden. Im Anschluss an diese und weitere nutzbare Ergebnisse werden Erfahrungen, Erkenntnisse und Herausforderungen des Projekts zusammengestellt.

Nutzbare Ergebnisse

Die folgenden Publikationen stehen unter http://www.ziz-berlin.de/publikationen zum Download bereit.

Studie 1: Zwischenbericht QSInova (inklusive dem Bericht der wissenschaftlichen Begleitung durch die TU Berlin):
Die TU Berlin, Institut für Erziehungswissenschaft, Schul- und Berufspädagogik unter Leitung von Prof. Dr. Lehmkuhl ging im qualitativen Forschungsprojekt der Frage nach, ob die Ziele von QSInova und der institutionellen Beteiligten auf ein komplementäres Anliegen der Teilnehmer/innen treffen. Die Ergebnisse weisen insbesondere auf die komplexen Beratungs- und Begleitungsbedarfe der Teilnehmer/innen von QSInova hin.

Studie 2:„Abschlussorientierte Qualifizierung von an- und ungelernten Menschen mit Migrationshintergrund. Vergleichsstudie unter besonderer Berücksichtigung von integrierter Sprachförderung und persönlicher Begleitung.“

Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) hat im Auftrag der zukunft im zentrum GmbH mehrere Projekte in Deutschland im Bereich der Qualifizierung von Geringqualifizierten mit Migrationshintergrund unter besonderer Berücksichtigung von integrierter Sprachförderung und persönlicher Begleitung verglichen. In der Studie werden Erkenntnisse und Erfahrungen bundesweiter Projekte zusammengetragen, Best-Practice-Beispiele gegenübergestellt und Empfehlungen  ausgesprochen.

Es wurden unter Berücksichtigung der regionalen Verankerung der Projekte jeweils die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Projekte hinsichtlich der organisatorischen Rahmenbedingungen, inhaltlichen Schwerpunkten, projektinternen Strukturen und konkreten Vorgehensweise untersucht. Die Projekte werden im Einzelnen ausführlich vorgestellt und im Anhang in Steckbriefen gegenübergestellt.

Weitere Veröffentlichungen

Veranstaltungsdokumentationen auf Anfrage:

  • Dokumentation des Kompetenztreffens vom 8. Juni 2011. Bei dieser ersten Veranstaltung des Projekts diskutierten rund 50 Teilnehmer aus verschiedenen Organisationen Erfolgsfaktoren bei Modellprojekten für Migranten und Migrantinnen;
  • Dokumentation des Fachgesprächs zum Projekt vom 7. Dezember 2011. Im Mittelpunkt dieser Fachveranstaltung stand das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen;
  • Dokumentation der Fachveranstaltung „Mit Hand und Fuß“ vom 23. Mai 2012. Hier wurde insbesondere die Bedeutung des Faktors Sprache für die Integration diskutiert;

Erkenntnisse / Empfehlungen

Im Projektverlauf wurde deutlich, dass die Zielgruppe, wie angenommen, über zahlreiche Potenziale und Kompetenzen verfügt, die bisher nicht ausreichend beachtet und genutzt wurden. Es zeigten sich jedoch auch verschiedene Herausforderungen, die von QSInova weiterhin besonders fokussiert werden müssen:

  1. Das Erreichen der Zielgruppe durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen: Die Ausweitung der Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit erwies sich als notwendig für die bessere Erreichung der Zielgruppe.
  2. Zusammenarbeit mit Agenturen und Jobcentern: Die Förderpraxis der Agentur für Arbeit Jobcenter entwickelt sich aus Sicht des Projektträgers nicht im Einklang mit der politischen Förderlogik und widerspricht dieser manchmal auch.
  3. Beratung der Teilnehmer/innen: Die Informations- und Beratungsbedarfe der Teilnehmenden sind vielschichtig und heterogen.
  4. Umsetzung der Qualifizierungsangebote: Die Anforderungen an Maßnahmen nach AZAV und die Entwicklung von individuellen Angeboten mit einem hohen Grad an Flexibilisierung sind nicht optimal abgestimmt.

Zu 1. Erkenntnisse in Bezug auf das Erreichen der Zielgruppe durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen

Bereits 2010 wurde festgestellt, dass sich der Teilnehmerkreis durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit ausweiten lässt. Die Information zu den Möglichkeiten, einen Berufsabschluss nachzuholen, und die Akquise der Teilnehmer/innen über die Jobcenter stellten für den Projektträger eine besondere Herausforderung dar. zukunft im zentrum hat daher die Öffentlichkeitsarbeit und die Einbeziehung von Multiplikator/innen im Laufe der Projektlaufzeit deutlich verstärkt.

Neben den zwölf Berliner Jobcentern, die kontinuierlich über Neuigkeiten und Entwicklungen im Projekt informiert wurden, wurden schließlich auch die Integrationsbeauftragten der Bezirke, Migrantenselbstorganisationen, Bildungsberatungen etc. regelmäßig einbezogen. Auch die QSInova-Vergleichsstudie empfiehlt in diesem Zusammenhang eine stärkere Einbindung von Multiplikator/innen wie z. B. Integrationslots/innen oder Stadtteilmüttern und -vätern.

Zu 2. Strukturelle Hürden in der Zusammenarbeit mit Agenturen und Jobcentern:

zukunft im zentrum machte die Erfahrung, dass die Förderpraxis der Agentur für Arbeit bzw. der Jobcenter sich nicht immer im Einklang mit der der politischen Förderlogik entwickelt und diese sich teilweise sogar widersprechen.

In der Arbeitsförderung wurde erkannt, dass ein Berufsabschluss nachhaltig die Integration in Arbeit verbessert. Die Förderinstrumente und Kampagnen haben sich in den letzten Jahren in diesem Sinne entwickelt. Obwohl ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, sah sich QSInova jedoch mit einigen strukturellen Hürden bei der Erreichung des Projetkziels konfrontiert:

Die erfolgreiche Berliner Joboffensive beispielsweise erwies sich als Hemmnis: Zwar ist die Schnittmenge der Zielgruppe von QSInova und der Joboffensive groß, da der Fokus beider Projekte auf arbeitsmarktnahen Personen ohne Berufsabschluss liegt. Doch liegt die Priorität der Joboffensive bei einer schnellstmöglichen Vermittlung in Arbeit und nicht in abschlussorientierten Qualifizierungen.

Eine weitere Hürde für QSInova in der Förderpraxis stellt der Berufspsychologische Service der Bundesagentur für Arbeit dar. Er empfiehlt die Teilnahme an einer Fort- und Weiterbildung nur bei einem Sprachniveau in Deutsch von B2. Er ist für viele Vermittler/innen der obligatorische Schritt für die Zielgruppe in eine FbW-Maßnahme, widerspricht aber dem Ansatz in QSInova, der auch Personen mit einem Niveau B1 in Deutsch einbezieht. Zudem ermöglicht QSInova, im Gegensatz zur Umschulung, eine schrittweise Qualifizierung, die einerseits Teilqualifikationen bescheinigt und andererseits mit dem erfolgreichen Absolvieren der notwendigen Module zum Berufsabschluss durch die Externenprüfung führen kann. Die Teilnahme am Startmodul kann, muss jedoch nicht, den Beginn des Weges zum Berufsabschluss darstellen.

In diesem Zusammenhang stellt der individuelle Ermessensspielraum der Vermittler/innen in der Förderung nach Ansicht der zukunft im zentrum GmbH häufig einen hemmenden Faktor dar. Das Vorgehen der Vermittler/innen ist nach Erfahrung des Projektträgers uneinheitlich in der Bewilligung von Bildungsgutscheinen und Anwendung des Förderrechts. Die Abwägung zwischen einer notwendigen Maßnahme zur Integration in Arbeit, der Erwähnung des Qualifizierungsziels in der Bildungszielplanung und einer individuellen und nachhaltigen Maßnahme ist in Bezug auf den Berufsabschluss eine komplexe Entscheidung. Eine eindeutige interne Stellungnahme der einzelnen Agenturen für Arbeit und Jobcenter und eine Berücksichtigung bei der Erfolgsbewertung würde aus Perspektive von QSInova das politische Ziel der Förderung von Berufsabschlüssen unterstützen und den Ermessensspielraum nicht konterkarieren.

Zu 3. Erkenntnisse aus der Beratung der Teilnehmer/innen

Die Informations- und Beratungsbedarfe der Teilnehmenden sind vielschichtig und heterogen.
Die Projekterfahrungen zeigen, dass der Einmündung in die Qualifizierung ein Ausbau des Beratungsprozesses und der Auseinandersetzung mit dem angestrebten Qualifizierungsziel vorangehen muss. Nach mehr als 400 Erstgesprächen wurde deutlich, dass viele Personen sich ihrer Potenziale einerseits nicht bewusst sind, und andererseits Informationsdefizite zum Bildungs- und Arbeitsmarktsystem in Deutschland aufweisen.

Berufliche Orientierungslosigkeit, die als Merkmal von Personen ohne Berufsabschlussgesehen gesehen werden kann, verstärkt sich bei Menschen mit eigener Migrationserfahrung durch Informationsdefizite zum deutschen Berufsbildungssystem und den Strukturen des deutschen Arbeitsmarktes.  Menschen, die bereits lange in Deutschland leben oder diejenigen der zweiten und dritten Generation haben hingegen  oft negative und diskriminierende Erfahrungen im Bildungs- und Arbeitsmarktsystem gemacht. Es hat sich gezeigt, dass das QSInova-Team auf diese Hintergründe und Voraussetzungen der Teilnehmer/innen individuell eingehen muss, um ihnen die Inhalte und Ziele des Programms deutlich zu machen. Um dem gerecht zu werden, wurde eine freiwillige begleitende Beratung mit bis zu drei Gesprächsterminen eingeführt, in der die Zielbestimmung der Teilnehmer/innen besondere Bedeutung zukommt.

Die Kompetenzfeststellung, die meist nach dem Erstgespräch besucht wird, trägt wesentlich dazu bei, dass das Beschäftigungs- und Qualifizierungsziel reflektiert werden. Eine Entscheidung für die Qualifizierung auf Ausbildungsniveau kann so mit möglichst hoher Sicherheit erfolgen.

Die Kompetenzfeststellung wurde im Verlauf des Projektes um ein fachliches Einschätzungsgespräch ergänzt, im Rahmen dessen die Teilnehmenden ein Gespräch mit Ausbilder/innen in den QSInova - Berufen führen. Die Ergebnisse des Einschätzungsgesprächs fließen in die Empfehlung ein. Diese Anpassung geht auf eine Empfehlung der wissenschaftlichen Begleitung zurück (nachzulesen im Zwischenbericht, S. 92f.), die einen praxisnahen Einblick in den Beruf vorsieht. Außerdem findet am Ende der Kompetenzfeststellung eine Feedbackrunde mit dem Team von QSInova statt.

Zu 4. Strukturelle Hürden bei der Umsetzung der Qualifizierungsangebote

Die Anforderungen an Maßnahmen nach AZAV und die Entwicklung von individuellen Angeboten mit hohem Grad an Flexibilisierung sind nicht optimal abgestimmt.

Bildungsdienstleister/innen, die Maßnahmen nach SGB III oder II anbieten, müssen sich als Träger und ihre Maßnahmen von einer fachkundigen Stelle nach der AZAV zertifizieren lassen. Eine zeitliche und inhaltliche Anpassung einer Maßnahme an den individuellen Bedarfen mit Hilfe eines modularisierten Ansatzes sind mit hohem Aufwand verbunden, da sie höhere Flexibilität in der Organisation als festgelegte Umschulungen verlangt.
Die gleichzeitige Kalkulation der integrierten Sprachförderung und Kompetenzentwicklungsbegleitung führen dazu, dass sich die Kosten der Qualifizierungsangebote zudem über dem Bundesdurchschnittskostensatz bewegen. Eine Genehmigung bedarf daher der Zustimmung der Agentur für Arbeit in Nürnberg. Dies ist bei allen Angeboten im Modellprojekt QSInova gelungen.

Die ziz  Gmbh hat im Projekt QSInova in diesem Zusammenhang die Erfahrung gemacht, dass die hohe Flexibilität und knappe Kalkulation vieler Maßnahmen bei den Bildungsdienstleister/innen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und eine Überlastung von Mitarbeiter/innen in der Ausbildung und Sprachförderung fördern. Hohe qualitative Ansprüche und  Flexibilität können daher oft nicht wie geplant oder gewünscht umgesetzt werden.  Die Erfahrung aus QSInova zeigte entsprechend, dass in der Entwicklung neuer transferfähiger Instrumente die Qualitätsentwicklung nur dann gefördert werden kann, wenn das Personal zum einen fest angestellt ist und zum anderen in seiner Arbeit über ausreichend Ressourcen  verfügt.

Synergien und Transfer

Die Erfahrungen in der Umsetzung der Kompetenzentwicklungsbegleitung und integrierten Sprachförderung liefern wichtige Erkenntnisse und Impulse in der Diskussion um die Integration weiterbildungsbegleitender Hilfen auf wissenschaftlicher und politischer Ebene.

In Zusammenarbeit mit ausgewählten Bildungsdienstleister/innen konnte der QSInova-Ansatz , d.h. abschlussorientierte, modulare Qualifizierungen mit integrierter Sprachförderung und Kompetenzentwicklungsbegleitung, erprobt werden.
Durch die erarbeiteten Standards im bereitgestellten Angebot  – integrierte Sprachförderung und Kompetenzentwicklungsbegleitung – sowie die Standards zu Nachqualifizierung (basierend auf SANQ) ist es jedem/r Bildungsdienstleister/in möglich, vorhandene abschlussorientierte Angebote anzupassen, zertifizieren zu lassen und umzusetzen. QSInova steht Bildungsdienstleister/innen in diesem Prozess gern beratend zur Seite.

Ziel des Projekts ist es, die Elemente von QSInova in die Regelangebote des Bereichs der Förderung der beruflichen Weiterbildung zu übertragen. Bei einer Weiterförderung des Projektes sollen weitere Bildungsdienstleister/innen für diesen adressatenorientierten Ansatz und die QSInova-Zielgruppe sensibilisiert und gewonnen werden.

Die Transferfähigkeit weiterbildungsbegleitender Hilfen in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung wird außerdem ein zentrales Element der am 30. Oktober 2013 stattfindende QSInova-Fachveranstaltung „Teilnahme ermöglichen – Teilhabe erreichen “ sein.

Projektporträt

Hier gelangen Sie zur ausführlichen Darstellung der Ausgangslage, Ziele, Bausteine sowie Kooperationen und Netzwerke des Projekts.

Kontakt

zukunft im zentrum GmbH
Susanne Neumann
Tel.: +49 30 27 87 33-74
Fax: +49 30 27 87 33-36
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www.ziz-berlin.de

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