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Vor 75 Jahren erschien die grundlegende soziologische Studie
Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit (Suhrkamp, 20. Aufl., 2007) von Paul Lazarsfeld, Marie Jahoda und Hans Zeisel.
Hier wurden erstmals die Begleitumstände und Folgeprobleme
langandauernder Arbeitslosigkeit untersucht. Die Ergebnisse
unterscheiden sich dabei kaum von denen zeitgenössischer Analysen zum
Thema Arbeitslosigkeit.
In der empirischen Untersuchung konnten vier unterschiedliche Typen des Umgangs mit der Arbeitslosigkeit identifiziert werden:
- die Ungebrochenen („Aufrechterhaltung des
Haushaltes, Pflege der Kinder, subjektives Wohlbefinden, Aktivität,
Pläne und Hoffnungen für die Zukunft, aufrechterhaltene Lebenslust,
immer wieder Versuche zur Arbeitsbeschaffung“ (Lazarsfeld u.a. 2007,
S.71)
- die Resignierten („Aufrechterhaltung des
Haushaltes, Pflege der Kinder, Gefühl des relativen Wohlbefindens,
keine Pläne, keine Beziehung zur Zukunft, keine Hoffnungen, maximale
Einschränkung aller Bedürfnisse, über die Haushaltsführung
hinausgehen“(ebenda, S. 70)
- die Verzweifelten ( „Aufrechterhaltung des
Haushaltes, Pflege der Kinder, Verzweifelung, Depressionen,
Hoffnungslosigkeit, keine Pläne, Gefühl der Vergeblichkeit aller
Bemühungen, keine Arbeitssuche, keine Versuche zur Verbesserung,
wiederkehrende Vergleiche mit der besseren Vergangenheit“(ebenda, S. 71)
- die Apathischen („Wohnung und Kinder sind
unsauber und ungepflegt, Stimmung ist indolent, keine Pläne,
energieloses, tatenloses Zusehen, keine Hoffnung auf Besserung,
Wirtschaftsführung ist unrationell, viele Bettler“(ebenda, S. 71f.)
(In der Untersuchung damals wurden in
der Arbeitersiedlung 16 % Ungebrochene, 48 % Resignierte, 11 %
Verzweifelte und 25 % Apathische ausgemacht).
Rückgang sozialer Kontakte und Aktivitäten, gesundheitliche Probleme
und stressbedingte, psychosomatische Krankheiten plus die allgemeine
Empfingung, dass die freie Zeit eher eine Belastung als tatsächlich
Freitzeit ist, waren weitere Ergebnisse der Studie.
Übrigens: Marienthal liegt in
Österreich, ganz in der Nähe Wiens. Es handelt sich also nicht um eine
Verwechslung mit den Arbeitslosen von Mariendorf.
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